Vergangenheit und Zukunft auf unserer Feldflur

Radausflug in die Feldflur mit dem Verein Breitwiesen

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte Vereinsvorsitzende Ingrid Hagenbruch ca. 30 Personen zum fast schon traditionellen Radausflug des Vereins „Breitwiesen – Boden ist Leben“ Exkursion in die Feldflur, das gab es im Verein schon mehrmals . Aber diesmal stand etwas Besonderes auf dem Programm: neben Informationen über die Geschichte der Feldflur konnten die Teilnehmer auch eine Karte aus dem Jahr 1890 bestaunen, die die damaligen Gewanne westlich der Bahngleise zeigt.
Aus den Diskussionen um neue Gewerbegebiete sind heute vor allem die Bezeichnungen „ Breitwiesen“ und „Hammelsbrunnen“ bekannt. Dass das gesamte Gebiet der heutigen Weststadt jedoch bis ins 20. Jahrjundert hinein aus Feldern , Äckern und Wiesen bestand, erläuterte Fritz Pfrang, Landwirt am Brunnweg, anschaulich. Die ursprünglichen historischen Namen der Gewanne und vor allem ihre Herkunft fanden großes Interesse bei den Zuhörern. Die zahlreichen Flurabgrenzungen zeugen auch heute noch von intensivem Ackerbau.
Zunächst ging es am Rand der Breitwiesen in den Hammelsbrunnen. Zum Ursprung dieses Namens finden sich 2 interessante Erklärungen, die Fritz Pfrang erläuterte.
Am Gewann „Steinbächer“ gab es besonders Interessantes zu berichten. Wer kannte schon den Zusammenhang dieses gewanns mit dem Frauenkloster Steinbach und dem Kloster Lorsch? Beim Gewann „Hirschberger“ konnten die radelnden Teilnehmer schon eher die historischen Zusammenhänge erahnen . Nur zum Teil sind diese Gewannbezeichnungen auch heute noch in den Plänen zu finden.
In den eigentlichen Breitwiesen war der Schritt von der Vergangenheit in die Neuzeit vollzogen. Hier erklärte Landwirt Stefan Müller eines der Versuchsfelder zur regenerativen Landwirtschaft. Der zusätzliche Bewuchs zwischen dem gesäten Weizen verwunderte zwar die auf landwirtschaftliche Monokultur orientierten Betrachter. Doch diese Zusatzkräuter wurzeln meist tiefer als der Weizen selbst und heben zusammen mit Bakterienkulturen die Bodenfruchtbarkeit, ohne dass der Boden tief bearbeitet werden muss. Das Projekt des Vereins Breitwiesen, das über mehrere Jahre läuft, untersucht ob und speziell durch welche Methode der Bodenbearbeitung in Weinheim ein optimaler Beitrag zum Klimaschutz und zur CO2 Reduzierung in der Stadt geleistet werden kann - bei gleichzeitig gutem Ertrag. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wird von der Stadt Weinheim gefördert.
Der Botaniker Siegfried Demuth zeigte den an „Beikräutern“ Interessierten an den Feldrändern nicht nur die Echte Kamille, den Acker-Frauenmantel und den Windhalm, sondern auch die Pampastrespe. Dieses hübsche Gras kommt aus Südamerika und ist seit einigen Jahren in den Weinheimer Äckern zu finden, weniger zur Freude der Landwirte. Offenbar kam es mit Einsaaten für Blühstreifen in unsere Feldflur.
Die abwechslungsreiche Tour endete am Hof von Fritz Pfrang, wo für Erfrischungen gesorgt war.