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Vortrag: Faszination Boden – wie Vielfalt Boden fruchtbar macht!

Wie entsteht fruchtbarer Boden? Warum ist Boden eine nicht-erneuerbare Ressource? Wie erkenne ich einen guten Boden im Feld oder Garten? Wie kann ich in der Landwirtschaft Boden erhalten und verbessern? Diese und weitere Fragen erläuterte die promovierte Bodenwissenschaftlerin Dr. Tatjana Schneckenburger, Büro für Bodenökologie und Naturschutz Kaiserslautern aus Sicht der Wissenschaft mit praxisnahen Aspekten.

Ein Abend nur zum Thema Boden? Das ließen sich viele nicht entgehen. Eingeladen hatte der Verein Breitwiesen – Boden ist Leben, zusammen mit dem Bauernverband Weinheim. Daher waren auch viele Landwirte im Saal, die für eine sachkundige Diskussion sorgten.

Referentin war die Bodenwissenschaftlerin Dr. Tatjana Schneckenburger, ausgewiesene Fachfrau für Bodenökologie mit Promotion in Trier und langjähriger Erfahrung in der Bodenforschung, auch im Ausland.
Vorgestellt wurde sie von der Vereinsvorsitzenden Ingrid Hagenbruch, die gleichzeitig beste Genesungswünsche an die kurzfristig Erkrankte schickte. Bei guter Videoübertragung bot der Vortrag vielfältige und anschauliche Informationen für das interessierte Publikum. Begrüßende Worte sprach auch der Vorsitzende des Weinheimer Bauernverbandes Karl Bär, der ein Beispiel nannte für eine gelungene und Ressourcen erhaltende Bodennutzung: ein kürzlich verliehener Preis für eine große ökologische Landwirtschaft in Königshofen.
Schneckenburger ging es zunächst um Zusammensetzung, Struktur und Aufgaben von guten und fruchtbaren Böden, die nur durch die Vielfalt des Bodenlebens entstehen können und die man an einer krümeligen Struktur erkennen kann. Dass die Anzahl der Lebewesen -Bakterien eingeschlossen – in einer Handvoll Erde so groß sein kann, wie Anzahl der Menschen auf der Erde, das war sicherlich schon vielen bekannt. Welche Mannigfaltigkeit an Tieren, Pflanzen und auch Pilzen im Boden lebt, erstaunte doch so einige. Denn nicht nur Regenwürmer sorgen für eine gute Durchlüftung und -mischung des Bodens. Auch viele andere Lebewesen ebenso wie intensiv wurzelnde Pflanzen, die als Begleitgrün in der „Regenerativen Landwirtschaft“ ausgesprochen hilfreich sind.
Um diesen Ansatz ging es auch der Referentin im zweiten Teil. Stefan Müller, Weinheimer Landwirt setzt diese zukunftsweisende Bewirtschaftungsform in die Praxis um. Vor gut zwei Jahren ist das Projekt „Bodenverbesserung und Klimaschutz“ mit Methoden der Regenerativen Landwirtschaft gestartet, noch sind die Erträge geringer als im konventionellen Betrieb, was nicht ungewöhnlich ist in der Umstellungsphase. Aber die Bodenverbesserung ist schon messbar, zum Beispiel an der Bodenstruktur und leicht gestiegenen Humusgehalten. Damit steigt in Zukunft die Fruchtbarkeit, und Pestizide werden weniger gebraucht. Schon jetzt weist der regenerativ bewirtschaftete Boden eine deutlich bessere Wasseraufnahmefähigkeit auf. In Zeiten stark schwankender Niederschläge eine wichtige Eigenschaft.
Gesunder Boden speichert zudem mehr Kohlenstoff, das bremst den Klimawandel.
Genau deswegen fördert die Stadt Weinheim das Projekt, indem sie die Kosten der wissenschaftlichen Begleitung übernimmt. Die Leiterin der Abteilung Klimaschutz Ute Timmermann, bekräftigte die Unterstützung. Hierüber freute sich auch Dr. Torsten Fetzner, Schirmherr der Weinheimer „Regenerativen Landwirtschaft“. Er und der Verein hoffen, dass diese schonende Bewirtschaftung des Bodens sich weiter durchsetzt.